Eltern-Info

Informationen für Eltern

Liebe Eltern, liebe Bezugspersonen,
wenn Sie diese Zeilen lesen, werden Sie sich mit dem Gedanken tragen, Ihr Kind zur Therapie anzumelden. Sie machen sich Sorgen um das psychische Befinden Ihres Kindes (Ängste, Zwänge, depressive Stimmungen, sozialer Rückzug etc.), bemerken auffällige, Sie beunruhigende Verhaltensweisen (z.B. aggressive, opponente, überängstliche, befremdliche etc.) bei ihm – oder aber andere (Schule, Kinderarzt etc.) haben Ihnen bzw. Ihrem Kind eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen.
Was passiert in den Therapiestunden?
Tiefenpsychologische und personzentrierte Psychotherapie für Kinder nutzt in erster Linie die kindliche Fähigkeit und Bereitschaft für freies Spiel.
Das Spiel, nicht das Gespräch, ist das zentrale Ausdrucksmittel des Kindes. Die Spielmaterialien der therapeutischen Praxis sind somit die wichtigsten Kommunikationsmittel bzw. Medien zwischen Kind und Therapeut.
In der Symbolsprache des Spiels drückt das Kind aus:
– was es erlebt hat,
– wie es darauf gefühlsmäßig reagiert,
– was es fühlen würde, wenn es ihm besser ginge,
– welche Bedürfnisse es hat,
– wie es sich selbst wahrnimmt.
Was ist therapeutisches Spiel?
Die kindlichen Erfahrungen werden im Spiel auf symbolische Weise zum Ausdruck gebracht, aufgearbeitet und für die eigene Zukunft hilfreicher nutzbar gemacht.
Ein Kind will vom Therapeuten in der Regel keinen Rat, sondern will mitteilen, wie es sich anfühlt, ein solches Kind mit solchen (belastenden) Erlebnissen zu sein.
Im therapeutischen Spiel kann es mithilfe der Unterstützung des Therapeuten seine Erfahrungen ordnen, neu organisieren und dem Bewusstsein in verdaulichen Portionen zugänglich machen.
Es zeigt hier sein inneres Bezugssystem, das es in der Therapie zu verstehen gilt.
Der personzentrierte Spieltherapeut fragt nicht aus, „ermittelt“ nicht, wertet nicht, sondern versucht, durch ein inneres Mitschwingen mit dem im Einklang zu sein, was das Kind momentan erlebt und ausdrückt („Ich akzeptiere dich so, wie du bist, aber ich akzeptiere deswegen nicht alles, was du tust!“). Indem der Therapeut die kognitiven, affektiven und motorischen Vorgänge des Kindes in Worte fasst (ohne sie zu deuten), werden diese dem Kind ins Bewusstsein gerückt.
Dem Kind selbst ist nicht immer bewusst, wie es „spielerisch“ innere Konflikte bearbeitet. Es bewegt sich im Spiel spontan auf seine unbearbeiteten Erlebnisse zu. Oft zeigen Kinder in der ersten Sitzung bereits im Zeitraffer ihre inneren Themen verschlüsselt im Spiel.
Was beim therapeutischen Spielen v.a. wirkt ist, dass das Kind hier einen anderen, positiveren Rahmen für die Interpretation des belastenden Erlebens findet. Hierbei unterstützt der Therapeut das Kind, indem er es feinfühlig, aufmerksam und nicht-wertend begleitet, die Spielhandlungen des Kindes ernst nimmt, indem er sie zu verstehen versucht und deshalb immer wieder ein rückkoppelndes Feedback des Kindes einholt, bei Irritationen Orientierung gibt, bislang „Unaussprechliches“ in Worte fasst, gleichzeitig bei Bedarf klare und sicherheitsgebende Grenzen setzt sowie als Person echt und authentisch reagiert.
Diese Beschreibung des therapeutischen Verhaltens mag verdeutlichen, wie sehr sich therapeutisches Spiel vom Spielen des Kindes in der Gleichaltrigen-Gruppe oder mit erwachsenen Bezugspersonen unterscheidet.
Was ist anders beim normalen Spiel?

Wenn wir als Eltern mit unseren Kindern spielen, haben wir in der Regel ein Interesse, dies zu tun, damit
– das Kind Spaß hat,
– unterhalten wird,
– gefördert wird,
– etwas lernt etc.

Als Eltern tun wir uns oft schwer, personzentriert, also nicht-wertend, kongruent, immer aufmerksam und frei von eigenen Bedürfnissen mit unseren Kindern zu spielen, und das ist auch gut so! Kinder brauchen authentische Menschen als Eltern oder Bezugspersonen und nicht etwa „Rund-um-die-Uhr-Therapeuten“.
Ausnehmend wichtig für das Verstehen des Therapeuten sind regelmäßige begleitende Eltern bzw. Bezugspersonengespräche (ca. einmal pro Monat). Nur mithilfe ergänzender Berichte und Hinweise bezüglich des realen Lebens und der Beziehungsmuster des Kindes aus den Blickwinkeln seiner erwachsenen Bezugspersonen kann sich der Therapeut ein Gesamtbild machen und die während der spieltherapeutischen Sitzungen gesammelten Befunde und Beobachtungen
ergänzen, mit den Bezugspersonen (unter Wahrung der Schweigepflicht auch bei
Kindern!) besprechen und Umgangsweisen für den Alltag herausarbeiten.
Bei getrennt lebenden Elternteilen mit gemeinsamem Sorgerecht muss die Zustimmung beider Elternteile zur Psychotherapie per Unterschrift eingeholt werden.
Einer der wesentlichsten Erfolgsgaranten für die Effektivität einer Spieltherapie ist die konstruktive Zusammenarbeit mit den Bezugspersonen.
Zur Beantragung und erlauf einer psychotherapeutischen Behandlung lesen Sie bitte die Seite „Psychotherapie“.